Ganz viel lernt ein Kind von allein

Gruppe von Kindern beim wissenschaftlichen Experimentieren

In der Fruchtblase macht ein Kind erste Erfahrungen mit der Dichte von Stoffen, nimmt Geräusche wahr. Es erfährt unmittelbar nach der Geburt massiv Schwerkraft. Es ertastet Oberflächenstrukturen und Formen, es folgt Gerüchen und testet Geschmacksrichtungen. Auf dem Spielplatz erlebt es Zentrifugal- und Fliehkraft, es unterscheidet schwere und leichte Gegenstände, es weiß, dass ein Magnet am Kühlschrank haften bleibt, nicht aber am Holztisch. Es lernt, wie man sich versteckt, es fühlt, dass Feuer verdammt heiß sein kann, es beobachtet Tiere im Garten, es merkt, dass Brennnesseln und Ameisenbisse weh tun können. So jedenfalls stellen wir uns das vor.

Aber: Viele Kinder haben noch nie gemerkt, dass ein Ameisenbiss brennt; haben noch nie festgestellt, dass man in einem Bach ausrutschen kann; haben sich noch nie an einer Flamme verbrannt; sind noch nie von einem Baum gefallen.

Glück gehabt? In einem ganzen Kurs von Viertklässlern in Köln fanden wir nur ein Kind, dass schon einmal von einer Ameise gebissen worden war. In einer 10-köpfigen Vorschulkindergruppe aus Bonn kannte kein Kind das Spiel „Verstecken“ und war noch nie in einem Gebüsch.

Welchen Erfahrungsschatz sollte ein Kind im naturwissenschaftlichen Bereich besitzen, wenn es 10 Jahre alt ist?

Ein 10-jähriges Kind sollte

  • FREUDE daran haben, seine Umwelt zu beobachten
  • selbst Experimente AUSPROBIERT und erfunden haben
  • ACHTUNG vor anderen Lebewesen besitzen
  • sich einen KLEINEN SCHATZ an Wissen und Kenntnissen erworben haben
  • ein GEFÜHL dafür entwickelt haben, dass die Natur sich in einem Gleichgewicht befindet
    und vor allem:
  • ERFAHREN HABEN, DASS ES SELBST GANZ VIELES KANN

Damit all dies entstehen kann, müssen wir Kindern die Möglichkeit bieten, ganz viel auszuprobieren und zu entdecken.